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Mehr als Worte sagen könnenZIB 21.10.2019

„Motus represent“

Pantomime ist eine Kunstform, die ohne Worte auskommt und sich nur durch Mimik und Gestik Ausdruck verschafft. Um etwas pantomimisch darzustellen, braucht es ein ganzes Bündel an Fähigkeiten: Kreativität, Einsatz von geeigneten und gezielten Bewegungen, Gesten oder Gesichtsausdrücken, aber auch Improvisation ist gefragt, denn manchmal muss blitzschnell entschieden werden, welche Geste denn nun die passende ist. So „pur“ eine Performance ohne Worte ist, so schwierig ist ein solcher Auftritt aber dann auch. Auf der Bühne wird nicht gesprochen, die Aufmerksamkeit des Publikums richtet sich ausschließlich auf die Darstellungen – meist wird es sehr ruhig im Plenum.

Umso erstaunlicher, dass die jungen Leute aus zwei Aktivcamps entschieden haben, am Open Day in St. Pölten ihre emotionalen Höhepunkte im Jugendbildungszentrum ohne Sprache vor Publikum zu performen. TeilnehmerInnen aus dem Aktivcamp haben zumeist speziellen Förderbedarf. Oft sind es Belastungen körperlicher oder psychischer Natur, die es den jungen Menschen bisher erschwert haben, nachhaltig im Berufsleben Fuß zu fassen. Mit der Unterstützung durch die Trainerinnen Fr. Flamisch und Fr. Hollaus wurden die Stationen aus dem Bild unten in Szene gesetzt:

 

Damit das Publikum dem „Drehbuch“ gut folgen konnte, gestalteten die Jugendlichen große Schilder aus Karton. Zum einen gliederten diese den Auftritt in Szenen, gleichzeitig waren die „Textbausteine“ so groß, dass sie auch gut als Schutzschild vor den Blicken des Publikums einsetzbar waren. Manche, aber nicht alle der TeilnehmerInnen, nutzten diese Möglichkeit. Obwohl sonst keine textlichen Hilfen eingesetzt wurden, konnten alle Gäste ganz genau verstehen, was die Jugendlichen ausdrücken wollten. Untermalt wurde das Ganze schließlich mit Musik und es entstand eine bemerkenswerte und intensive Vorstellung. Die Jugendlichen stellten Szenen des ersten Kennenlernens dar, Szenen der gemeinsamen Freude, wenn jemand ein Praktikum aufnimmt, aber auch Szenen des Abschieds, wenn jemand die Gruppe verlässt.

 

Die BesucherInnen zeigten sich tief berührt von der Performance der jungen Leute, eine Zuseherin berichtet: „Wenn Sprache plötzlich nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern andere Wege der Kommunikation gewählt werden, merkt man erst, dass Emotionen noch viel klarer und unmissverständlicher durch den Körper ausgedrückt werden können.“

Auch für unsere Jugendlichen war dieser Auftritt etwas ganz Besonderes: Sie konnten die Erfahrung machen, dass sie auch ohne Worte verstanden werden und es sich auszahlt, mutig zu sein bzw. dass die Kraft der Gruppe stärkt („Wir sitzen alle im selben Boot.“). Das sind wichtige Erkenntnisse für den späteren beruflichen Weg.

Das Jugendbildungszentrum St. Pölten wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, dem Land Niederösterreich und dem AMS Niederösterreich unterstützt.