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Erfolgreicher JobinfotagZIB 04.12.2017

Am 20. November öffnete das Bildungshaus St. Bernhard am Wr. Neustädter Domplatz seine Türen für eine besondere Veranstaltung: Frauen können mehr! – Handwerk und Technik mit Zukunft.

Ansturm bereits zu Mittag

Obwohl der Jobinfotag eigentlich erst um 12.00 Uhr startete, kamen einige BesucherInnen bereits bis zu einer Stunde früher, um sich über die Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten in nicht-traditionellen Berufen zu informieren.

(c) Franz Baldauf
 

Das AMS-geförderte Projekt P.Qu (Punktgenaue Qualifizierung) unterstützt Frauen ab 18 Jahren dabei, eine Ausbildung in einem handwerklich-technischen Beruf inklusive Lehrabschlussprüfung zu absolvieren. An Infoständen berichteten aktuelle und ehemalige P.Qu-Teilnehmerinnen von ihren unterschiedlichen Ausbildungen.

Darunter z.B. Jemina Heinfellner, die bereits ihre Ausbildung über die P.Qu zur Betriebslogistikerin bei der Fa. Astleithner abgeschlossen hat. „Alle meine Kollegen und Kolleginnen sind sehr hilfsbereit. Niemand macht bei der Arbeit einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Kollegen. Es gefällt mir wirklich gut hier!“ schwärmt Frau Heinfellner von ihrem Job. Die Mutter eines 6-jährigen Jungen arbeitet 32 Wochenstunden, was dank einer gut organisierten Kinderbetreuung und einem gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetz einwandfrei funktioniert.

Marta Cislak ist im Endspurt ihrer Ausbildung zur Chemielabortechnikerin bei Care Diagnostica. Sie konnte vor Antritt bereits ein abgeschlossenes Studium zur Umwelttechnikerin in Polen vorweisen, was ihr zum Teil zur Ausbildung angerechnet wurde. „Im Labor zu arbeiten war schon immer mein Wunsch. Dass ich jetzt die Möglichkeit dazu habe, ist großartig – ich lebe für meinen Beruf!“ Das im Studium erworbene Fachwissen erlaubt ihr außerdem, die Ausbildung ohne den Besuch der Berufsschule zu absolvieren. Die Prüfungsinhalte, die dadurch nicht abgedeckt waren, erlernt sie in den unterstützenden Theorieeinheiten der P.Qu.

Antonela Iacob hat ihre P.Qu-Ausbildung zur Hörgeräteakustikerin nicht nur schon abgeschlossen, sondern ist auch noch einen Schritt weitergegangen: Die Mutter eines 8-jährigen Mädchens hat den mündlichen Teil der Meisterprüfung schon hinter sich und bereitet sich gerade auf die schriftliche Prüfung vor. „In den nächsten ein bis zwei Jahren möchte ich auch noch die Unternehmerprüfung machen!“ erzählt sie hochmotiviert. Im Moment arbeitet Frau Iacob 30 Wochenstunden, die externe Kinderbetreuung funktioniert einwandfrei: „Meine Tochter geht ja selbst in die Schule, sie versteht das gut, wenn ich mal lernen muss. Wir sitzen dann zusammen und lernen gemeinsam: sie für die Schule, ich für den Meisterkurs.“

Alle Ausstellerinnen:

  • Frau Hilkka Mayer aus Mödling, Medienfachfrau-Medientechnik, bei Newtown – Web OG, in 2700 Wr. Neustadt
  • Frau Jemima Heinfellner, Betriebslogistikfachfrau, bei fabachem Astleithner GmbH, in 2700 Wr. Neustadt
  • Frau Kerstin Krenthaler aus Gloggnitz und Catarina Ranz aus Sollenau, Garten u. Grünflächen-gestalterinnen Landschaftsgärtnerei, bei Naturnahe Gartengestaltung Andreas Franzel, in 2700 Wr. Neustadt
  • Frau Antonela Iacob aus Mödling, Hörgeräteakustikerin, bei Pelco Hörgeräte, in 2340 Mödling
  • Frau Petra Gschiel aus Alland, Kraftfahrzeugtechnikerin – Personenkraftwagen, bei Josef Koinegg GesmbH & Co KG, in 2500 Baden
  • Frau Marta Cislak aus Brunn/Gebirge, Labortechnikerin-Chemie, bei CARE diagnostica Produktions- und Vertriebsgesellschaft m.b.H., in 2513 Möllersdorf
  • Frau Drazenka Andjic aus Kleinneusiedl, Friedhofs- und Ziergärtnerin, bei Blumen Gardenia, in 2431 Enzersdorf an der Fischa
  • Frau Julia Göttinger, Metalltechnikerin – Fahrzeugbautechnik, bei MUT Maschinen-Umwelttechnik Transportanlagen GmbH, in Stockerau

Diskussion und Unterhaltung am Nachmittag

Dr. Georg Grund-Groiss, Leiter der AMS Geschäftsstelle Wr. Neustadt, eröffnete das Nachmittagsprogramm. In seinen Begrüßungsworten wies er daraufhin, dass auch, wenn der Trend Richtung Digitalisierung geht, klassische humanistische Bildung nicht falsch sein kann für die Zukunft. Natürlich sei der MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) wichtig für die Berufe der Zukunft, aber Vorsicht gilt, wenn die Ausbildungen zu stark akademisiert werden. „Mit der Lehrausbildung für Frauen liegen wir auf jeden Fall richtig!“ fasst er seine Begrüßungsworte zusammen.

Perfekt improvisiert

Danach unterhielt die Künstlerin Magda Leeb das Publikum mit ihrem Improtheater, für das sie vorab Statements bei den BesucherInnen des Jobinfotages zum Thema Frauen im Beruf gesammelt hatte. Besonderen Anklang fanden die Spontanlieder, die sie aus den gesammelten Stichworten generierte.

Expertinnen am Podium

Bevor die eigentliche Diskussion startete, fassten die Projektkoordinatorinnen der P.Qu im Industrie-, Wein- und Waldviertel, Lisa Faltheiner, MA (ZIB Training GmbH), Ursula Hein (Verein Frauen für Frauen) und Alexandra Lindtner (Verein Frauenberatung Waldviertel) die wichtigsten Infos zum Projekt zusammen. Insgesamt werden in Niederösterreich aktuell mehr als 250 Frauen in der P.Qu auf dem Weg zum Lehrabschluss begleitet.

Im Anschluss begrüßte die Moderatorin Nora Summer die Expertinnen am Podium:

Foto v.l.n.r.: Frau arch. Dipl.-Ing.in Astrid Wessely / selbstständige Architektin in Perchtolsdorf, Frau Dr.in Margit Waid / JKU Linz, Marta Cislak – Labortechnikerin-Chemie bei CARE diagnostica Produktions- und Vertriebsgesellschaft m.b.H., in 2513 Möllersdorf, Julia Göttinger, Metalltechnikerin  – Fahrzeugbautechnik, bei MUT Maschinen-Umwelttechnik Transportanlagen GmbH, in Stockerau, Moderatorin Nora Summer (Fotocredits: Franz Baldauf)
 

Arch. Dipl.-Ing.in Astrid Wessely, selbstständige Architektin und Vertreterin von „Frau in der Wirtschaft“ berichtete darüber, wie wenige Frauen sie leider bisher noch in ihrer zehnjährigen Tätigkeit in der Baubranche erlebt hat. „Ein gutes Netzwerk und gezielte Planung sind am wichtigsten, um Beruf und Familie gut in Einklang zu bringen.“ erzählt sie aus eigener Erfahrung. Die alleinerziehende Mutter hebt vor allem den Vorteil der Selbstständigkeit hervor, sich die Arbeitszeit frei einteilen zu können, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehr vereinfacht.

Dr.in Margit Waid, Leiterin Gender & Diversity Management Johannes Kepler Universität Linz, weiß, dass es für viele junge Menschen ein schwieriger Schritt ist, in einen nicht-traditionellen Bereich einzusteigen: „Man muss den jungen Leuten Mut machen und auch die Wirtschaft muss ihren Teil dazu beitragen.“ Was die Arbeit der Zukunft betrifft, ist sie sich sicher, dass „Mensch zu Mensch“ zwar bleiben wird, aber wir die Digitalisierung annehmen und beherrschen müssen. Sie führt weiter aus: „Besonders für die junge Generation ist das wichtig, denn sie trifft es besonders hart, sollte sie den Anschluss verpassen!“

Julia Göttinger, die über die P.Qu eine Ausbildung zur Metalltechnikerin – Fahrzeugbautechnik, bei MUT Maschinen-Umwelttechnik Transportanlagen GmbH, in Stockerau absolviert hat, weiß: „Es ist nicht einfach, in einen männerdominierten Bereich zu stoßen.“ Ursprünglich kam sie aus dem Verkauf von Landmaschinen, wollte aber mehr wissen über das, was sie ihren KundInnen verkaufte. Sie durfte dann in der hauseigenen Werkstatt zusehen und fing sofort Feuer für die Arbeit dort. „Einfach ausprobieren, einfach trauen, die P.Qu-Beratung ist auch extrem hilfreich!“ ist ihr Tipp an alle, die sich unsicher sind.

Marta Cislak, Labortechnikerin-Chemie, bei CARE diagnostica Produktions- und Vertriebsgesellschaft m.b.H., in Möllersdorf ist hier für den Bereich Research & Development zuständig. „Ich kann sehr selbstständig arbeiten und habe im Unternehmen trotzdem jede Unterstützung!“ schwärmt sie von ihrem Ausbildungsplatz. Auch sie legt Interessierten nahe, sich nicht zu viele Gedanken über Vorurteile oder Rollenvorstellungen zu machen. „Man kann dabei nicht verlieren, also keine Angst.“ fasst sie zusammen.

Mag.a Maria Aigner, Gender Mainstreaming Beauftragte des AMS Niederösterreich, die als Mitbegründerin und Initiatorin des P.Qu-Projektes Frauen eine große Hürde in Richtung nicht-traditionelle Ausbildung genommen hat, betont zum Schluss noch, dass die großartige Kooperation aller P.Qu- und FiT-TrägerInnen in Niederösterreich wesentlich zum Erfolg des Projekts beiträgt.

(Foto v.l.n.r.): Frau Mag.a Maria Aigner / Gender Mainstreaming Beauftragte des AMS NÖ; Frau Monika Forsthuber / Geschäftsführerin ZIB Training GmbH; Dr. Georg Grund-Groiss / Leiter AMS Wr. Neustadt; Frau Mag.a Sandra Hößl / Mentor GmbH, Projektleitung FiT – Frauen in Handwerk und Technik; Frau Antonela Iacob, über die P.Qu ausgebildete Hörgeräteakustikerin bei Pelco Hörgeräte in Mödling (Fotocredits: Franz Baldauf)
 

Die Projekte

FiT – Frauen in Handwerk und Technik – ist ein Projekt, das die Verringerung der Segregation am Arbeitsmarkt zum Ziel hat. Frauen haben hier die Möglichkeit, erste Schritte in Richtung Handwerk und Technik zu machen, ihre Kompetenzen und Interessen auszuloten und im Zuge von Praktika und Werkstattarbeit das im Kurs erlernte praktisch auszutesten.

Die Punktgenaue Qualifizierung (P.Qu) unterstützt niederösterreichische Frauen dabei, ihren Lehrabschluss in einem nicht-traditionellen Beruf zu erlangen. Um in das Projekt aufgenommen zu werden, durchlaufen Interessierte im Rahmen des FiT-Programms ein Vorauswahlverfahren, in dem die Teilnahmebedingungen und –voraussetzungen abgeklärt werden. Vor dem Einstieg in die P.Qu absolviert die Anwärterin dann ein Praktikum im angestrebten Ausbildungsbetrieb.

Ist eine Aufnahme in die P.Qu erfolgt, wird die Teilnehmerin in den folgenden 24 Monaten der Ausbildungsdauer intensiv durch die P.Qu-Bildungsberaterinnen begleitet und unterstützt. Das Arbeitsmarktservice sichert die finanzielle Existenz der Auszubildenden gemäß des ALVG bzw. AMSG.